Fall Fabian: Mutter konfrontiert Gina H. mit emotionaler Frage

Fall Fabian: Mutter konfrontiert Gina H. mit emotionaler Frage


Die Angeklagte Gina H. sitzt neben einem ihrer Verteidiger im Saal des Rostocker Landgerichts.

AUDIO: Fall Fabian: Mutter konfrontiert Gina H. mit emotionaler Frage (1 Min)

Stand: 15.09.2026 17:37 Uhr

Nach dem 28. Verhandlungstag im Fabian-Prozess in Rostock stand für den Vorsitzenden Richter fest, dass die Angeklagte immer wieder gelogen hat. Nur die Gründe für die Lügen hat die Angeklagte ihm noch nicht ausreichend erklärt.

von Andreas Frost

Die Konfrontation dauerte nur zehn Sekunden. Aber es war einer der emotionalsten Momente im Fabian-Prozess am Rostocker Landgericht, als Fabians Mutter – den Tränen nah – Gina H. direkt die Frage stellte: “Warum musste er sterben?” Die Angeklagte beteuerte recht ruhig: “Wie oft noch? Ich habe Fabian nichts getan.” Fabians Mutter warf ihr deshalb vor, “noch mehr Lügengeschichten” zu verbreiten, und wurde vom Vorsitzenden Richter Holger Schütt unterbrochen. So nachvollziehbar die Reaktion der Mutter auch sein könnte, im Strafprozess ist so etwas nicht vorgesehen.

Ein “zufälliger” Fund am Tümpel

Die kurze Szene war am Dienstag das Ende einer stundenlangen Befragung der Angeklagten, nach der auch Schütt nicht umhinkam, Gina H. zu fragen, warum sie so oft gelogen hatte. “Ich flehe Sie an: Helfen Sie mir, es zu verstehen”, so der Vorsitzende Richter. Zweifelsfrei hat Gina H. bei der Polizei gelogen, nachdem sie den angeblich “zufälligen” Fund der Leiche Fabians an einem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl am 14. Oktober 2025 gemeldet hatte. Erst als es nicht mehr anders ging, gab sie zu, schon in der Nacht zuvor mit zwei Bekannten am Tümpel gewesen zu sein. Sie habe gelogen, um die beiden Männer “rauszuhalten”, so Gina H.

Die angeklagte Gina H. im Gerichtssaal mit ihrem Verteidiger.

Auch die Bewegungsdaten eines Handys spielten im Prozess am Landgericht Rostock an diesem Donnerstag wieder eine Rolle.

Auch Fabians Vater erzählte sie mehrere Tage nicht, wie sie Fabian “gefunden” hatte. Unmittelbar nach ihrer Entdeckung sei sie dazu irgendwie nicht gekommen. Und zu ihrem Alibi für den 10. Oktober, als das Kind aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow verschwand, präsentierte sie ihm offenbar mehrere Versionen. Dabei war sie vier Jahre lang bis August 2025 seine Lebensgefährtin und wollte ihn für sich zurückgewinnen.

Aussage geändert

Mehrmals änderte Gina H. auch ihre Aussagen vor Gericht. Am vergangenen Donnerstag gab sie zum Beispiel sehr präzise an, am 11. Oktober 1.500 Euro vom Konto ihrer Großeltern abgehoben zu haben. Eine Nachfrage der Staatsanwaltschaft ergab mittlerweile, dass es keine Auszahlung ab. Vor Gericht damit konfrontiert, behauptete Gina H. nun, sie sei sich nicht mehr so sicher, ob sie das Geld geholt hat. Das Geldholen spielt im Prozess eine wichtige Rolle. Die Angeklagte hatte zu ihrem Alibi ausgesagt, sie sei am 10. Oktober, zu der Zeit, als Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow verschwand, dort in der Nähe gewesen, weil sie zur Bank wollte. Sie hatte allerdings, so behauptete sie, die Bankkarte vergessen. Die Frage des Gerichts war, ob sie später doch noch zur Bank ging.

Wieso “auf’m Acker”?

Schwierig war es für Gina H. dem Vorsitzenden Richter zu erklären, warum sie in jener Nacht mit ihrem Bekannten ausgerechnet in der Gegend um Klein Upahl nach Fabian suchen wollte – und dann noch “auf’m Acker”. Zu dem Zeitpunkt wurde nach dem Jungen noch gesucht, Spürhunde hatten gerade in Güstrow angeschlagen. Von einem Acker war nirgends die Rede gewesen. Die Angeklagte sagte, eigentlich sei die “Suche” nur ein Vorwand gewesen, um mit dem verheirateten Bekannten Zeit verbringen zu können. Richter Schütt hielt ihr vor, für die vielen Treffen vorher keinen Vorwand gebraucht zu haben.

Spaziergang mit dem “Lütten”

In den Ermittlungsakten war Schütt offenbar noch über ein Detail gestolpert. Als Gina H. im Herbst von der Polizei zu ihrem Alibi für den 10. Oktober befragt wurde, erwähnte sie durchaus, nicht allzu weit weg von Klein Upahl im Wald spazieren gewesen zu sein – und zwar “mit meinem Lütten und meinem Hund”. Eigentlich, so Schütt, habe sie doch nur den Hund dabeigehabt. Die Aussage sei “totaler Quatsch” gewesen, so die Angeklagte. Ihr Sohn sei ja in der Schule gewesen und Fabian habe sie mitnichten dabeigehabt. Zum Schluss des Prozesstages bekundete Gina H., sie fühle sich häufig missverstanden. Vielleicht liege das auch daran, dass sie psychische Probleme habe und sowieso anders sei als andere Menschen. Schütt wollte wissen, ob die psychischen Probleme Grund für ihre Lügen seien. Eine klare Antwort bekam er nicht.

Die angeklagte Gina H. im Gerichtssaal mit ihrem Verteidiger.

Auch die Bewegungsdaten eines Handys spielten im Prozess am Landgericht Rostock an diesem Donnerstag wieder eine Rolle.

Fabian wurde erstochen

Fabian wurde am 10. Oktober vergangenen Jahres von seiner Mutter als vermisst gemeldet. Vier Tage später wurde seine Leiche gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl rund 15 Kilometer südlich von Güstrow erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden.

Das achtjährige Kind war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor Fabians Verschwinden hatte der Vater sich von Gina H. getrennt. Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Mit einem Urteil wird bislang im Oktober gerechnet.

Gina H. steht im Gericht neben ihren Verteidigern und hält einen Aktendeckel vors Gesicht.

Im Mordprozess zum Tod des achtjährigen Fabian will die Angeklagte nun doch Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft beantworten.

Die Angeklagte Gina H. im Gerichtssaal neben einem ihrer Verteidiger.

Gina H. war erbost und reagierte im Mordprozess am Landgericht Rostock mit einem kurzen Gefühlsausbruch.

Fall Fabian – Alle Podcast-Folgen

Die Angeklagte Gina H. im Gerichtssaal neben einem ihrer Verteidiger.

Im Podcast geht es um die Befragung von Gina H. im Gericht und wie sie versucht hat, viele Ungereimtheiten zu erklären.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Landgericht Rostock.

Im Podcast geht es um die Aussage von Kindern. Sie wollen Fabian am Nachmittag des 10. Oktober in Güstrow gesehen haben.

Die Angeklagte Gina H. im Gerichtssaal neben einem ihrer Verteidiger.

Im Podcast geht es um die Aussage einer Gefängnis-Psychologin, die erklärt, wie sich Gina H. in der Haftanstalt verhält.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Landgericht Rostock

Die Verteidigung brachte einen Social Media-Aufruf ins Gericht. Die Anwältin von Fabians Mutter bezweifelt die Echtheit.

Die Angeklagte steht zwischen den Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker.

Im Podcast geht es darum, wie die Angeklagte am Tag des Mordes unterwegs war und wie sie die Ermittler angelogen hat.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Landgericht Rostock.

Die Angeklagte hat sich erstmals selbst zu den Vorwürfen geäußert und versucht, Zweifel an Zeugen zu säen.

Die Angeklagte Gina H. im Gerichtssaal neben einem ihrer Verteidiger.

Der Richter droht mit einem Verbot von elektrischen Geräten. Auch wurden Videos gezeigt, wie Gina H. ihr Pferd schlägt.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Landgericht Rostock

Gina H. war erbost und reagierte im Mordprozess am Landgericht Rostock mit einem kurzen Gefühlsausbruch.

Denis Mollenhauer und Andreas Frost vor dem Landgericht Rostock.

Warum so viele Zuschauer den Prozess im Gericht verfolgen, darüber sprechen wir mit der ZEIT-Journalistin Leonie Daumer.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Gerichtssaal.

Im Podcast geht es um die Aussage des Psychotherapeuten von Gina H. Er erkannte eine instabile Persönlichkeitsstörung.

Die Angeklagte steht zwischen den Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker.

Im Podcast geht diesmal um die Aussagen von Gina H., dass sie sich finanziell von Fabians Vater abhängig fühlte.

Denis Mollenhauer und Andreas Frost vor dem Landgericht Rostock.

Im Podcast: Ein Zeuge hat erzählt, ihm seien 5.000 Euro geboten worden, um eine Falschaussage zu machen.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Gerichtssaal.

Zum ersten Mal seit seiner Befragung war Fabians Vater wieder im Gericht und hörte, was andere über die Gina H. sagten.

Die Angeklagte steht zwischen den Anwälten Andreas Ohm (r.) und Thomas Löcker.

Ein Team von Fallanalytikern hat den Tathergang rekonstruiert und Rückschlüsse zu einem Täter oder einer Täterin gezogen.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Gerichtssaal.

Die Angeklagte sieht sich als Opfer eines Shitstorms. Das beklagte sie bei Fabians Vater kurz nach dem Tod des Kindes.

Spurensuche am Teich im Fall Fabian

Unter Tränen hat eine ehemalige Freundin von Gina H. ausgesagt. Sie wollte unbedingt ihre Sicht der Dinge loswerden.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Gerichtssaal.

Ein Zeuge belastet die Angeklagte. Sie habe mit ihm ein Alibi abgesprochen. Und er war an der Leiche – vor der Polizei.

Spurensuche am Teich im Fall Fabian

Die Angeklagte war frühzeitig mit einem Bekannten am Fundort der Leiche. Wie er sagt, wurde er gezielt dort hingeführt.

Denis Mollenhauer und Andreas Frost vor dem Landgericht Rostock.

Die Angeklagte machte widersprüchliche Angaben. Wir ziehen ein Zwischenfazit und beantworten Hörer-Fragen.

Spurensuche am Teich im Fall Fabian

Am Gericht wurden die Ergebnisse der Obduktion gezeigt: Woran genau starb Fabian? Es ging auch um abgehörte Telefonate.

Spurensuche am Teich im Fall Fabian

Diesmal geht es um die Spurensuche am Leichenfundort und auch die Fotos der Spurensicherung von Fabins Leiche.

Spurensicherung im Fall Fabian

Am siebten Verhandlungstag sind Analysen vorgestellt worden – zu Textilfasern, digitalen Daten und Blutspuren.

Ein Auto auf einem Abschleppwagen

Der Pick-up der Angeklagten stand erneut im Fokus. Auch die Brandspuren am Fundort der Leiche spielten eine Rolle.

Die Angeklagte im Fall Fabian hält im Gerichtssaal eine Aktenmappe vors Gesicht.

Gina H. hatte kurz nach dem Verschwinden Fabians gesagt, sie sei die ganze Zeit in ihrem Pferdestall gewesen. Das stimmte aber offenbar nicht.

Die Angeklagte im Fall Fabian wartet im Landgericht Rostock  auf das Verfahren..

Am vierten Prozesstag wurden unter anderem Freunde von Fabian befragt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Vater.

Die Angeklagte im Fall Fabian wartet im Landgericht Rostock  auf das Verfahren..

Am dritten Prozesstag wird ausschließlich Fabians Vater befragt. Und er macht deutlich, dass er zur Angeklagten hält.

Die Angeklagte im Fall Fabian wartet im Landgericht Rostock  auf das Verfahren..

Am zweiten Prozesstag wurden die Mutter und der Vater von Fabian befragt – sieben Stunden lang.

Die Angeklagte im Fall Fabian wartet im Landgericht Rostock  auf das Verfahren..

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