
AUDIO: Fall Fabian: Mutter konfrontiert Gina H. mit emotionaler Frage (1 Min)
Stand: 15.09.2026 17:37 Uhr
Nach dem 28. Verhandlungstag im Fabian-Prozess in Rostock stand für den Vorsitzenden Richter fest, dass die Angeklagte immer wieder gelogen hat. Nur die Gründe für die Lügen hat die Angeklagte ihm noch nicht ausreichend erklärt.
Die Konfrontation dauerte nur zehn Sekunden. Aber es war einer der emotionalsten Momente im Fabian-Prozess am Rostocker Landgericht, als Fabians Mutter – den Tränen nah – Gina H. direkt die Frage stellte: “Warum musste er sterben?” Die Angeklagte beteuerte recht ruhig: “Wie oft noch? Ich habe Fabian nichts getan.” Fabians Mutter warf ihr deshalb vor, “noch mehr Lügengeschichten” zu verbreiten, und wurde vom Vorsitzenden Richter Holger Schütt unterbrochen. So nachvollziehbar die Reaktion der Mutter auch sein könnte, im Strafprozess ist so etwas nicht vorgesehen.
Ein “zufälliger” Fund am Tümpel
Die kurze Szene war am Dienstag das Ende einer stundenlangen Befragung der Angeklagten, nach der auch Schütt nicht umhinkam, Gina H. zu fragen, warum sie so oft gelogen hatte. “Ich flehe Sie an: Helfen Sie mir, es zu verstehen”, so der Vorsitzende Richter. Zweifelsfrei hat Gina H. bei der Polizei gelogen, nachdem sie den angeblich “zufälligen” Fund der Leiche Fabians an einem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl am 14. Oktober 2025 gemeldet hatte. Erst als es nicht mehr anders ging, gab sie zu, schon in der Nacht zuvor mit zwei Bekannten am Tümpel gewesen zu sein. Sie habe gelogen, um die beiden Männer “rauszuhalten”, so Gina H.
Auch Fabians Vater erzählte sie mehrere Tage nicht, wie sie Fabian “gefunden” hatte. Unmittelbar nach ihrer Entdeckung sei sie dazu irgendwie nicht gekommen. Und zu ihrem Alibi für den 10. Oktober, als das Kind aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow verschwand, präsentierte sie ihm offenbar mehrere Versionen. Dabei war sie vier Jahre lang bis August 2025 seine Lebensgefährtin und wollte ihn für sich zurückgewinnen.
Aussage geändert
Mehrmals änderte Gina H. auch ihre Aussagen vor Gericht. Am vergangenen Donnerstag gab sie zum Beispiel sehr präzise an, am 11. Oktober 1.500 Euro vom Konto ihrer Großeltern abgehoben zu haben. Eine Nachfrage der Staatsanwaltschaft ergab mittlerweile, dass es keine Auszahlung ab. Vor Gericht damit konfrontiert, behauptete Gina H. nun, sie sei sich nicht mehr so sicher, ob sie das Geld geholt hat. Das Geldholen spielt im Prozess eine wichtige Rolle. Die Angeklagte hatte zu ihrem Alibi ausgesagt, sie sei am 10. Oktober, zu der Zeit, als Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow verschwand, dort in der Nähe gewesen, weil sie zur Bank wollte. Sie hatte allerdings, so behauptete sie, die Bankkarte vergessen. Die Frage des Gerichts war, ob sie später doch noch zur Bank ging.
Wieso “auf’m Acker”?
Schwierig war es für Gina H. dem Vorsitzenden Richter zu erklären, warum sie in jener Nacht mit ihrem Bekannten ausgerechnet in der Gegend um Klein Upahl nach Fabian suchen wollte – und dann noch “auf’m Acker”. Zu dem Zeitpunkt wurde nach dem Jungen noch gesucht, Spürhunde hatten gerade in Güstrow angeschlagen. Von einem Acker war nirgends die Rede gewesen. Die Angeklagte sagte, eigentlich sei die “Suche” nur ein Vorwand gewesen, um mit dem verheirateten Bekannten Zeit verbringen zu können. Richter Schütt hielt ihr vor, für die vielen Treffen vorher keinen Vorwand gebraucht zu haben.
Spaziergang mit dem “Lütten”
In den Ermittlungsakten war Schütt offenbar noch über ein Detail gestolpert. Als Gina H. im Herbst von der Polizei zu ihrem Alibi für den 10. Oktober befragt wurde, erwähnte sie durchaus, nicht allzu weit weg von Klein Upahl im Wald spazieren gewesen zu sein – und zwar “mit meinem Lütten und meinem Hund”. Eigentlich, so Schütt, habe sie doch nur den Hund dabeigehabt. Die Aussage sei “totaler Quatsch” gewesen, so die Angeklagte. Ihr Sohn sei ja in der Schule gewesen und Fabian habe sie mitnichten dabeigehabt. Zum Schluss des Prozesstages bekundete Gina H., sie fühle sich häufig missverstanden. Vielleicht liege das auch daran, dass sie psychische Probleme habe und sowieso anders sei als andere Menschen. Schütt wollte wissen, ob die psychischen Probleme Grund für ihre Lügen seien. Eine klare Antwort bekam er nicht.
Fabian wurde erstochen
Fabian wurde am 10. Oktober vergangenen Jahres von seiner Mutter als vermisst gemeldet. Vier Tage später wurde seine Leiche gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl rund 15 Kilometer südlich von Güstrow erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden.
Das achtjährige Kind war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor Fabians Verschwinden hatte der Vater sich von Gina H. getrennt. Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Mit einem Urteil wird bislang im Oktober gerechnet.














